Ausflug nach Garachico
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Der schöne, geschichtsträchtige Ort Garachico an der Nordwestküste Teneriffas, war lange Zeit der wichtigste Handelshafen des Archipels. Der Name bedeutet "Kleine Insel" nach dem Guanchenwort "Igara" - Insel und dem spanischen Wort "chico" - klein. Er bezieht sich auf einen gar nicht mal so kleinen Felsen, der direkt vor dem Ort im Meer liegt. Nach einer Legende soll dieser Felsbrocken die bei einem Vulkanausbruch ins Meer geschleuderte Spitze des Teide sein.
Vor über 500 Jahren von italienischen Kaufleuten gegründet, entwickelte sich das Hafenstädtchen bald zum Dreh - und Angelpunkt des Handels der Kanaren mit England, Holland und Amerika. Der Hafen sowie der Wein - und Zuckerrohranbau in der Umgebung machten Garachico zum wirtschaftlich bedeutendsten Ort des Archipels. In dieser Blütezeit entstanden zahlreiche Klöster und prächtige Stadthäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Viele davon sind bis heute in gutem Zustand erhalten und machen den Ortskern zu einem großen Freiluftmuseum.
Stadt der Klöster
Im ehemaligen Franziskanerkloster an der "Plaza de Juan Gonzalez de la Torre" befindet sich heute das Rathaus und das Kulturzentrum sowie ein Naturkundemuseum. Die grob gepflasterten Wandelgänge und die typisch kanarischen Innenhöfe sind sehenswert. Nicht weniger als drei weitere Klöster gibt es in dem kleinen Küstenort zu besichtigen. Das frühere Dominikanerkloster "Ex-Convento de Santo Domingo" am Ortseingang wurde in ein Museum für zeitgenössische Kunst umgewandelt. Außerdem gibt es ein Augustinerkloster und ein Kloster der "Concepcionistas". An der Südseite der an den Rathausplatz angrenzenden "Plaza de la Libertad" steht die dreischiffige Basilika "Iglesia de Santa Ana", die erst vor etwa zehn Jahren umfassend restauriert wurde. Auf den beiden Plätzen mit ihren hohen Schatten spendenden Bäumen und der traumhaften Kulisse aus alten Stadtpalästen und Sakralbauten spielt sich das Dorfleben ab und auch viele Touristen besuchen die liebevoll restaurierte Altstadt dieser ältesten Hafenstadt Teneriffas.
Feuer aus dem Berg
Die großen Zeiten von Garachico gehören jedoch seit langem der Vergangenheit an, nur die unzähligen historischen Gebäude zeugen noch von jener wirtschaftlichen und kulturellen Glanzzeit, die vor rund dreihundert Jahren jäh und auf dramatische Weise ihr Ende fand. Anno 1706 brach oberhalb der Ortschaft der Vulkan "Montaña de Trebejo" aus. Zwei rot glühende Lavaströme fraßen sich den Berg hinab und mitten durch das Dorf bis zum Meer hinunter. Das Hafenbecken wurde mit Lava verschüttet und vollständig unbrauchbar. Die Häfen von La Orotava und Santa Cruz übernahmen nun die Rolle als Handelszentren, während Garachico seine Bedeutung über Nacht verloren hatte. Viele der prächtigen Häuser wurden durch die Katastrophe zerstört und auch die ehrwürdige Basilika brannte bis auf das Portal nieder und musste gänzlich neu aufgebaut werden. An den einstmals zerstörerischen Lavamassen haben heute Touristen und Badefans ihre Freude, denn die Bewohner Garachicos haben die im Meerwasser erstarrten Lavaströme mit Wegen, Stegen und Treppchen zur Naturbadelandschaft "El Caletón" gestaltet. Darüber, an der Uferpromenade, steht noch das kleine quadratische "Castillo de San Miguel", ein Festungsbau, der einst dem Schutz des Hafens diente und heute ein naturkundliches Museum mit angrenzendem Café ist.
Das Herz blieb zu Hause
Verlässt man Garachico in Richtung Westen, erreicht man den Aussichtpunkt "Mirador del Emigrante". Von dort aus bietet sich ein herrlicher Ausblick auf den Ort, die Bucht und den Namen gebenden Felsen im Meer. Es gibt ein Buden- Café und ein Denkmal, das den Auswanderern gewidmet ist, die in früheren Zeiten ihre Heimat über den Hafen Garachicos verließen. In der Brust der Emigrantenfigur auf dem hohen Sockel klafft ein großes Loch – ein Symbol dafür, dass die Canarios, die in die Fremde aufbrachen, ihr Herz auf Teneriffa zurückgelassen haben. /susanne harms Autorenkontakt über Impressum/redaktion

