Ein Tag in Valle de Guerra
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Ein kleiner Dorfplatz, eine Kirche, ein Museum, einige Cafés, Restaurants und Lädchen - das ist schon alles. In dem kleinen Dorf Valle de Guerra geht es ruhig und beschaulich zu. Der Ort liegt im Nordosten der Insel zwischen Tegueste und Tacoronte inmitten eines fruchtbaren Tals, das sich bis zum Meer hinunter zieht. Es wird gern als der "Garten Teneriffas" bezeichnet, eine grüne Oase aus Bauerngärten, Plantagen, Weinpflanzungen und Terrassenfeldern.
Im Ortsteil La Barranquera mit seinem kleinen Fischerhafen gibt es ein besonderes Naturphänomen zu sehen. Dorthin gelangt man, wenn man den Dorfplatz mit dem Drachenbaum und dem kleinen Spielplatz in Richtung Tejina hinter sich lässt, der Beschilderung zum "Terrero de Lucha" zur runden Kampfarena für den kanarischen Ringkampf "Lucha Canaria" folgt und dann in Richtung Meer abbiegt. Dort gibt es einen kleinen Wald direkt am Meeresufer, obwohl Baumgruppen dieser Art normalerweise auf den kargen Küstenstreifen Teneriffas nicht gedeihen können. Die Einwohner von Valle de Guerra suchen diesen Platz gern auf, um zu grillen oder ein Picknick zu veranstalten. Auch junge Surfer kommen, um sich mit ihren Bodyboards in den Wogen zu vergnügen. Die Küste ist hier steinig und zum Baden kaum geeignet. Nur von dem kleinen Kieselstrand im Hafenbecken aus kann man schwimmen.
Die Häuser von La Barranquera wirken eher heruntergekommen und teilweise nur halbfertig. Dennoch hat man, wohl im Hinblick auf eine zukünftige touristische Nutzung, eine großzügige Uferpromenade gebaut, die sogar behindertengerecht ist, was im Hinblick auf die Unwegsamkeit der umgebenden Straßen und Landschaft zunächst noch sinnlos erscheint. Nur die malerischen, bunten Fischerboote, die umgebende Natur und das standhafte Wäldchen kurz hinter dem Ende der Promenade entschädigen etwas für das bauliche Kuddelmuddel, das hier angerichtet wurde.
Immer wieder wird behauptet, der Ortsname "Valle de Guerra" bedeute "Tal des Krieges". Er soll sich auf Kämpfe zwischen den tinerfeñischen Ureinwohnern, den Guanchen, und den spanischen Eroberern beziehen. Ein weit verbreiteter Irrtum, denn es gibt zwar auf der Insel Ortschaften, deren Namen an Schlachten erinnern, wie im Falle des Dorfes "La Matanza", was "Das Gemetzel" bedeutet, doch das Wort Guerra bezieht sich nicht auf den Krieg, sondern auf einen spanischen Eroberer mit Namen Don Hernán de la Guerra. Er begründete das Dorf und das ganze Tal war lange Zeit im Besitz seiner Nachkommen.
Der erste Anschein trügt auch, was den Namen eines wichtigen Gebäudes angeht, das an der Landstraße nach Tacoronte etwas oberhalb von Valle de Guerra steht. Die "Casa de Cartas" lässt zunächst an Landoder Seekarten denken. Tatsächlich geht auch der Name dieses typisch kanarischen Herrenhauses aus dem frühen 18. Jahrhundert auf den Familiennamen eines früheren Besitzers zurück, den Capitán Matías Rodríguez Carta, der es der Familie de la Guerra einst abkaufte. Heute beherbergt es das Anthropologische Museum. Sowohl das Haus mit seinem Innenhof selbst, als auch die in 14 Räumen ausgestellte Sammlung, die das Alltagsleben der Einwohner Teneriffas in den vergangenen Jahrhunderten dokumentiert, sind einen Besuch wert.
Die Kirche "Nuestra Señora del Rosario" aus dem 18. Jahrhundert ist der Mittelpunkt der so genannten Romerías, der Volksfeste von Valle de Guerra. Jedes Jahr im Mai werden die Feiern zu Ehren von San Isidro Labrador und Santa María de la Cabeza abgehalten. Höhepunkt ist der Umzug der geschmückten Festwagen, von denen aus die Einheimischen in den farbenfrohen Trachten der Region kanarische Spezialitäten wie Schweinefleisch, Papas Arrugadas (Kartoffeln mit Salzkruste) und Rotwein verteilen. Anfang Oktober ist es dann Zeit für das Volksfest zu Ehren der Jungfrau von El Rosario. Im Verlauf dieses Festes wird die Schlacht von Lepanto nachgespielt, eine Seeschlacht vor Griechenland bei der die Christen den Vormarsch der Türken im Mittelmeerraum aufhielten. Eines der siegreichen Schiffe war der Virgen del Rosario gewidmet.
Mit dem Auto erreicht man Valle de Guerra, indem man von der Nordautobahn bei La Laguna in Richtung Tegueste/Tejina abbiegt, ab der Ortschaft Tejina ist es ausgeschildert. Oder auch von Tacoronte aus, indem man in der Ortsmitte am Kiosk auf die Landstraße nach Tejina abbiegt, die direkt am Anthropologischen Museum vorbei nach Valle de Guerra führt.
Die Anreise mit dem Bus ist möglich, aber nicht empfehlenswert, denn die Schönheiten dieses Tals kann man kaum zu Fuß erkunden. Bewegt man sich im Auto oberhalb des Ortes durch die Landschaft, kann man schöne Gärten und Pflanzungen und malerische kanarische Landhäuser entdecken. /susanne harms Autorenkontakt über Impressum/redaktion

