Geschichte zum Anfassen und Anschauen

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Nachdem der Guanchenpark in El Tanque seine Pforten schloss, weil die Besucherfrequenz in den Bergen nicht rentabel war, wurde er in Icod de los Vinos neu angelegt. Die Parkanlage rund um den sagenumwobenen Drachenbaum scheint ein optimaler Standort zu sein. Viele Urlauber besuchen die kleine Stadt, die durch ihre Weine weit über die Grenzen hinaus bekannt ist. Der Drago ist ebenfalls in allen Reiseführern enthalten. Er gilt als das älteste Exemplar der Insel, wenngleich die Experten, bezüglich seines tatsächlichen Alters uneinig sind. Die Geschichte der Kanaren ist gleichzeitig die Geschichte der Guanchen, und die Ureinwohner bevölkerten die Insel bereits rund tausend Jahre vor Christus.

Das häusliche Leben der Guanchen spielte sich in Barrancos ab
Das häusliche Leben der Guanchen spielte sich in Barrancos ab
Die Guanchen bewegten sich mit dem sog. "Salto del Pastor", dem Hirtensprung in den unwirtlichen Gegeden der Inseln
Die Guanchen bewegten sich mit dem sog. "Salto del Pastor", dem Hirtensprung in den unwirtlichen Gegeden der Inseln

Nachforschungen zufolge kamen sie aus dem Norden Afrikas auf die glücklichen Inseln im Atlantik. Am wahrscheinlichsten gilt die Theorie, dass Berberstämme den afrikanischen Kontinent verließen, um auf den Kanaren zu siedeln. Optische Merkmale, wie hellere Haut, blonde Haare und blaue Augen unterstreichen die These ebenso, wie die ähnliche Lebensweise. Die Berber sind genau wie die Guanchen ein Hirtenvolk. Rund 2000 Jahre lang entwickelten die Ureinwohner im Atlantik ihre eigene Kultur, die sich optimal an die Umgebung und natürlichen Gegebenheiten anpasste. Sie galten als friedliebende und fröhliche Menschen. Immer wieder hatten sie im Laufe der Jahrhunderte durch vorbeiziehende Seeleute Kontakt mit anderen Völkern, bis sie 1496 von den Spaniern grausam erobert wurden. Die Überlebenden mischten sich mit den Iberern aus Spanien und Portugal, wodurch ihre Rasse im Laufe der Zeit ebenso verschwand wie ihre Kultur.

Fundstücke zeugen vom Alltag der Guanchen

Die ältesten Fundstücke fand man in der Nähe von Barrancos. Meist waren es Gefäße aus gekochtem Ton oder Fossilien. Die Guanchen legten ihre Dörfer meist in der Nähe der Schluchten an, wo es auch Wasser gab. Sie lebten in Höhlen und betrieben Landwirtschaft und Viehzucht. Während Männer und Jungen als Ziegenhirten meist außerhalb der Dörfer unterwegs waren, blieben die Frauen, Mädchen und kleinen Kinder in den Höhlendörfern zurück. Sie bestellten die Felder, kümmerten sich um die Hausarbeit und entwickelten großes Talent in verschiedenen handwerklichen Bereichen. Die einzelnen Landstriche wurden von Landesfürsten, Menceys genannt, regiert. In ihrem Ältestenrat wurden die wichtigen Entscheidungen des Lebens gefällt. Bedeutsame Ratgeber waren den Fürsten die Guañameñe. Sie waren die Schamanen und Hellseher, die von der Bevölkerung verehrt wurden und für die seelische und körperliche Gesundheit des Volkes verantwortlich waren.

Die Ureinwohner verfügten über astronomische Kenntnisse

Die Guanchen lebten in gut klimatisierten Wohnhöhlen
Die Guanchen lebten in gut klimatisierten Wohnhöhlen

Schon damals wurden Heilkräuter angebaut und wilde Kräuter gesammelt. Die "Zauberer" verfügten über meteorologische und astronomische Kenntnisse. Sie bestimmten den rituellen Jahreslauf, den richtigen Zeitpunkt für Aussaat und Ernte und vollzogen die religiösen Riten. Die Religion war, ähnlich wie bei den Indianern, eng mit der Natur verbunden.

Mencey Bencomo, der wichtigste Stammesfürst zur Zeit der Eroberung, ließ den einflussreichsten Guañameñe töten, als er den Untergang der Guanchen und den Sieg der Eroberer voraussah. Heute noch ist der Stolz der Canarios auf ihre Vorfahren zu spüren. Die Erhaltung und Pflege alter Traditionen, wie der Hirtensprung, Lucha Canaria und andere sportliche Wettkämpfe zeugen von der Wertschätzung gegenüber den historischen Wurzeln. Alte Legenden werden von Generation zu Generation überliefert.

Die Virgen de la Candelaria beispielsweise wird heute noch verehrt. Der Park hat großen Anklang gefunden. Eine Besucherin bemerkte sofort:" Ich bin Lehrerin und werde den Besuch des Parks als Abschlussfahrt zum Schuljahresende anregen. Die lebensgroßen Figuren und die natürliche Umgebung vermitteln den Eindruck eine kleine Zeitreise zu unternehmen. Lebendiger kann ich meinen Schülern die Geschichte nicht erzählen."/sabine virgin wilferth Autorenkontakt über Impressum/redaktion

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